Kickstarter-Kampagne für Modulsystem zur Vinylaufbewahrung

Grow - Kickstarter-Projekt zur Vinylaufbewahrung
Vor ein paar Tagen bin ich bei Facebook mal wieder über eine Kickstarter-Kampagne gestolpert. Ein Designer aus San Francisco hat sich ein modulares Aufbewahrungssystem für Schallplatten patentieren lassen und möchte dieses nun über Crowdfunding finanzieren. Das Fact Magazine hat direkt euphorisch von einem Herausforderer für die Dominanz IKEAs im Markt der Vinylaufbewahrung geschrieben. Das halte ich für ein klein wenig übertrieben (aber was tut man heutzutage nicht alles für ein paar Klicks), dennoch möchte ich euch das System an dieser Stelle etwas näher vorstellen.

Selbst ein knappes Jahr nach der Ablösung des Expedit durch Kallax verirren sich jeden Tag zig Besucher auf diese Webseite, die bei Google die Schlagwörter „Ikea“, „Expedit“ und/oder „Kallax“ in verschiedenen Variationen eingegeben haben. Die Resonanz auf meinen Artikel über die Ausmusterung des Expedit-Regals war riesig. Eine entsprechende Protest-Seite auf Facebook, die vom Onlinemagazin Pretty In Noise ins Leben gerufen wurde, hatte schnell mehr als 20.000 Fans gesammelt. Die Dominanz IKEAs ist in der Tat erdrückend. Zwar gibt es zahllose Alternativen, u.a. habe ich an dieser Stelle das Regalsystem von stocubo aus Berlin, vorgestellt. Doch irgendwie scheinen Plattensammler stets auf der Suche nach DEM perfekten System für ihre Lieblinge zu sein. Eines, das nicht nur schick anzusehen ist, sondern auch ohne Probleme zu erweitern, da Plattensammlungen grundsätzlich eher dazu tendieren mehr und mehr Platz einzunehmen. Ach, und bezahlbar sollte das Ganze natürlich ebenfalls sein.

Jetzt möchte sich Justin Godar mit einem Modulsystem etablieren, das den passenden und simplen Namen „Grow“ trägt. Jedes einzelne Modul besteht dabei aus 12 Teilen und bietet Platz für bis zu 70 Schallplatten. Der Vorteil ist, dass ihr keine Werkzeuge oder Schrauben benötigt, um das Modulsystem zusammenzubauen. Die Einzelteile werden schlicht ineinander geschoben, den Rest erledigt die Schwerkraft. Die einzelnen Module lassen sich so kombinieren, dass sie sich den Platzverhältnissen in eurem Wohn- oder Plattenzimmer anpassen. Natürlich könnt ihr das Modulsystem auch verwenden, um Bücher oder DVDs unterzubringen. Aber wer will das schon!? 😉

Eine erste Einschätzung

Wie ihr euch vorstellen könnt, fällt die Kritik an einem Produkt, das erst noch finanziert werden möchte und somit nicht für einen Testbericht zur Verfügung steht, recht schwer. Dennoch möchte ich mich anhand der online verfügbaren Informationen an einer ersten Einschätzung versuchen, wie sich das Modularsystem in den drei wichtigsten Kriterien „Aussehen/Design“, „problemloses Erweitern“ und „Bezahlbarkeit“ schlägt.

  • Aussehen/Design: Dieses Kriterium ist bekanntlich immer Geschmackssache. Einigen Kommentaren bei Facebook und Co. lässt sich entnehmen, dass die Meinung durchaus gespalten ist. Ich persönlich finde das Minimalistische recht schick und es gefällt mir, dass ich Albencover, die mir besonders am Herzen liegen, explizit in den Vordergrund rücken kann.
  • Problemloses Erweitern: In dieser Kategorie müsste ich 10 von 10 Punkten verleihen. Wie bereits erwähnt können die einzelnen Module frei kombiniert werden. Der Verzicht auf Werkzeug und Schrauben ist für jemanden wie mich, der über zwei linke Hände verfügt, natürlich ebenfalls ein nicht zu verachtender Pluspunkt. Die größte bei Kickstarter angebotene Variante ist ein übrigens 5×5-System, das immerhin stattliche 1750 Schallplatten aufnehmen kann.
  • Bezahlbarkeit: Nun ja, günstig sieht sicherlich anders aus. Aber ähnlich wie bei stocubo handelt es sich um ein Produkt, dass in hochwertiger Handarbeit und eben nicht in Massenfertigung produziert wird. Das hat nun einmal seinen Preis. Das Einzelmodul soll im Handel knapp 125 US-Dollar kosten, während das 5×5-System mit knapp 2000 US-Dollar zu Buche schlägt.

Bislang scheint Godar Furniture noch nicht allzu viele Plattensammler von seiner Idee begeistern zu können. Ob das am Preis liegt, ist schwer zu beurteilen. Bis dato haben sich bei Kickstarter jedenfalls erst neun Unterstützer gefunden, die aber immerhin eine Summe von mehr als 2100 US-Dollar beisteuern. Um das Kampagnenziel von 10.000$ zu erreichen, bleiben noch 19 Tage.
Aus Deutschland macht eine Unterstützung momentan allerdings nur wenig Sinn, da die Module nicht in Länder außerhalb der USA verschickt werden. Trotzdem wollte ich an dieser Stelle über das Modularsystem berichten, da dieses bei einer erfolgreichen Finanzierung in den Handel kommen wird – und bei entsprechendem Erfolg sicherlich auch den Weg aufs europäische Festland findet. Und falls nicht, muss die ewige Suche nach dem perfekten Aufbewahrungssystem für Schallplatten jenseits von Expedit und Kallax eben weitergehen.

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Carsten Thoben

Gründer und Betreiber des Vinyl Fantasy Mag | leidenschaftlicher Plattensammler | leidgeplagter HSV-Fan | Online & Social Media Junkie

2 Kommentare zu “Kickstarter-Kampagne für Modulsystem zur Vinylaufbewahrung

  1. Vielen Dank für die Vorstellung dieses Audio-Möbels. Es sieht wirklich super aus, die Skalierbarkeit ist bestechend, qualitativ wirkt es gut, eigentlich genau das was ich suche. Aber der Preis ist schon extrem happig. Da fürchte ich, wird es, Patent hin oder her, bald von DIY Nachbauten wimmeln. Also ich habe zumindest schon mal darüber nachgedacht, ob ich das nicht selber hinbekomme… Besser wäre es, der Erfinder verkauft seine Baupläne übers Netz, da wäre ich dabei.

  2. Schick. Teuer, aber der Preis ist für Designermöbel wohl ganz normal. Trotzdem wäre es wohl kaum finanzierbar, die Dinger nach Europa zu importieren. Da können nur Nachbauen helfen, ähnlich wie beim Hartz4-Möbel Projekt. Das wäre recht einfach, wenn erst einmal jemand die Formen im Netz veröffentlicht hat. (Wäre aber natürlich illegal, solange es der Erfinder nicht offiziell freigibt.)

    Dadurch, dass die Regalwand keine gerade Rückseite hat, verschenkt man relativ viel Platz und es sammelt sich wahrscheinlich wahnsinnig viel Staub dahinter an, wenn man es nicht in die Raummitte stellt. Andererseits lässt sich das System auch gut an Dachschrägen anpassen, was das Expedit definitiv nicht kann.

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