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Literaturtipp: „Plattensüchtig“ von Jürgen Schmich

Plattensuechtig Buchcover Jürgen Schmich
So, ich melde mich auch mal wieder zu Wort. Zunächst einmal Entschuldigung an die Leser für die Funkstille, aber auch an den Autor des vorgestellten Buches, Jürgen Schmich, dem ich schon lange eine Rezension zugesagt hatte. Mittlerweile war sogar die erste Ausgabe von MINT schneller. Da ich dem Magazin aber als „Freund des Hauses“ durchaus positiv gewogen bin, ist das nicht weiter schlimm. Dennoch möchte ich an dieser Stelle ein paar Worte über das Buch „Plattensüchtig“ verlieren, das mittlerweile bereits in der dritten Auflage im Eigenverlag erschienen ist.

Ein großer Unterschied zu gängigen Büchern über das Mysterium des Plattensammelns fällt direkt ins Auge. In der Regel stehen hochwertige Fotografien im Vordergrund, was nicht weiter verwunderlich ist, da Räume mit ausufernden Regalwänden voller Vinyl oder gut sortierte Plattenläden beeindruckende Motive abgeben. Die Bücher „Record Stores“ von Bernd Jonkmanns und „Dust & Grooves“ von Eilon Paz sind der beste Beleg dafür. Jürgen Schmich rückt hingegen den Plattensammler in Form von Interviews als Person in den Mittelpunkt. Von insgesamt 168 Seiten sind lediglich 9 Doppelseiten mit Fotografien versehen worden.

Bevor es mit den Interviews losgeht, verschafft Schmich auf den ersten knapp 30 Seiten einen Einblick in die etwas „andere Welt“ des Plattensammelns und versucht dabei der Spezies des Plattensammlers auf die Spur zu kommen. Bei einigen Sätzen dürfte sich der interessierte Leser regelrecht ertappt fühlen: „Das Schlimme: Während andere Leute Regale voll mit Platten sehen, sieht der Sammler nur Lücken, überall, zwischen jeder einzelnen Platte. Und mit jeder Platte, die er von der Suchliste streicht, tun sich neue Verästelungen im vinylen Universum auf und es kommen drei neue Platten auf der Liste hinzu.“ Viel Neues dürfte der jahrelange Vinylliebhaber vielleicht nicht erfahren, doch die Ausführungen über die Geschichte der LP, die verschiedenen Gradingvarianten oder John Peels Holzkiste lesen sich trotzdem spannend und flüssig.

7 Schallplattensammler im Interview

Nach der Einführung lässt Schmich sieben Plattensammler zu Wort kommen, die allesamt über verschiedene Spezialgebiete verfügen. Den Anfang macht Andreas Schmauder, der sich auf europäischen Jazz der Schellackzeit konzentriert. In Freiburg hat er mit Phonopassion eines der größten und wichtigsten Schellackplattenantiquariate in Europa aufgebaut. Einen Schwerpunkt seiner Sammlung bilden die Comedian Harmonists, von denen er die weltweit erste vollständige Sammlung ihrer Schellackplatten zusammengetragen hat. Im Interview erzählt er von seiner weltweiten Jagd nach seltenen Schellackplatten. Mit Edmund Thielow kommt ein Sammler zu Wort, der Anfang der 1980er in der DDR beschloss, seine Sammlung komplett den Beatles zu widmen. Seine 14 Tage Auslandsurlaub opferte er regelmäßig für Vinyl-Shoppingtouren nach Ungarn: „Dort haben wir alles für Platten ausgegeben und sind am selben Tag zurück. Am Zoll machten die große Augen.“ Darüber hinaus kommt im Buch ein Genre zu Wort, das sonst oft ignoriert (wenn nicht sogar belächelt) wird. Hans-Jürgen Flieger verfügt mittlerweile über 55.000 Schallplatten, vor allem deutscher Schlager. „Es gibt immer weniger Leute, die diese Musik kennen. Sie gerät auch in Vergessenheit, weil der Rundfunk, der diese Platten eventuell noch hat, sie kaum spielt.“
Auch die übrigen Sammler in „Plattensüchtig“ haben sich auf einen eng absteckten Bereich spezialisiert. Ob Picture Discs, das Gesamtwerk der Rolling Stones oder Disco- und Clubmusic – Schmich gelingt es auf spannende Art und Weise die verschiedenen Facetten des Sammelns zu beleuchten. Zum Ende jedes Interviews gibt es einen kurzen Steckbrief, in dem die Sammler über die Anzahl der Platten, die erste selbst gekaufte LP oder das teuerste und/oder seltenste Exemplar ihrer Sammlung Auskunft geben.

Auf der Webseite von Jürgen Schmich gibt es kurze Sammlerbiografien und Leseproben für einen ersten Eindruck. Dort könnt ihr euch das Buch auch direkt bestellen – oder natürlich regulär im Buchhandel. Alle in diesem Artikel erwähnten Bücher erhaltet ihr übrigens als Bestandteil des Prämien-Abos vom just erstmals erschienenen „MINT – Magazin für Vinylkultur“.

Carsten Thoben (303 Beiträge)

Gründer und Betreiber des Vinyl Fantasy Mag | leidenschaftlicher Plattensammler | leidgeplagter HSV-Fan | Online & Social Media Junkie


1 Kommentar

  1. Moin Carsten,

    ich habe das Buch auch gelesen und stimme dir zu: es ist sehr spannend und interessant geschrieben. Ich kann dir auch das Buch „Vinyl – Die Magie der schwarzen Scheibe: Grooves, Design, Labels, Geschichte und Revival“ empfehlen. Es lohnt sich!

    Grüße, Michael

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