Die Release-Liste zum Black Friday ist da – doch braucht es diesen Tag wirklich?

Während die Prime Days derzeit noch viele Schnäppchenjäger in Atem halten, steht bereits der nächste Feiertag der globalen Konsumkultur vor der Tür: der Black Friday. Seit 2010 wird dieser Tag auch in Plattenläden als Record Store Day Black Friday begangen – als Ergänzung zum eigentlich Feiertag der Vinylkultur am dritten Samstag im April.

Jetzt online – Liste für 2026 mit 120 Releases

Gestern ist die offizielle Liste mit den Releases für den Record Store Black Friday am 27. November veröffentlicht worden. Natürlich habe ich diese neugierig direkt auf Highlights gecheckt, die eventuell in meine Plattensammlung wandern müssen. Und was soll ich sagen? Auf den ersten Blick wirkt es mittlerweile so als würde man bei den Releaselisten der verschiedenen RSD-Ausgaben durch die immer gleiche Liste scrollen. Ständig tauchen die selben Namen auf. Grateful Dead, Motörhead, The Doors… you name it! Der Backkatalog bestimmter Künstler*innen muss offensichtlich auf Teufel komm raus verwertet und jede auffindbare Live-Aufnahme und jede noch so seltene B-Seite oder Demoaufnahme auf Vinyl gepresst werden.

120 Releases stehen auch dieses Mal wieder auf der Liste. Und ich bin ehrlich: darunter findet sich kein einziges Must-Have, von dem ich denke: wow, ohne diese Vinyl ist meine Plattensammlung einfach nicht vollständig. Natürlich ist das immer geschmacksabhängig. Und wenn ihr auf der Liste tolle Releases findet, sei es euch gegönnt. Wenn aber ein Musik- und Vinylnerd wie ich einige Releases im besten Fall interessant findet, spricht das nicht für die Qualität der Releases.

Kein Vergleich zur Aufregung rund um den Record Store Day

Dass ich mit dieser Ansicht nicht wirklich alleine da stehe, zeigt mir meine Erfahrung aus mehr als sechs Jahren Arbeit im Plattenladen. Während am Record Store Day der Bär steppt und die Schlange vor dem Laden die ganze Straße runter geht, versammelt sich am Black Friday kaum jemand zur Eröffnung vor dem Laden. Abgesehen von all den unzähligen Anfragen per Mail, Telefon oder direkt im Laden im Vorfeld des Record Store Days, ob man diesen oder jenen Release bekommt und nicht eventuell sogar – beide Augen zugedrückt – zurück legen könnte, die beim Black Friday schlicht ausbleiben. Die Verkaufszahlen der Releases waren entsprechend. Vieles verkam zum Ladenhüter und landete dann in den üblichen Rabattaktionen zu Ramschpreisen. Anderen Plattenläden geht es da nicht anders.

Der National Album Day als bessere Alternative

Der Record Store Day Black Friday wirkt wie der erzwungene Versuch, von einem etablierten Aktionstag der Konsumkultur zu profitieren. An Material für Releases scheint es Labels und Vertrieben nicht zu mangeln, also wird fix eine Liste mit mitterweile mehr als einhundert Releases zusammengeschustert und am Black Friday als limitierte Edition feilgeboten. Wie es besser geht, zeigt der National Album Day. Hier erscheinen jedes Jahr unter einem festen Motto kuratierte Alben auf Vinyl. Die Liste an Releases ist kürzer, aber dafür durchdachter und qualitativ hochwertiger.

Mein Fazit: ein Record Store Day im Jahr ist vollkommen ausreichend. Unabhängig vom Black Friday gibt es auch so unzählige tolle Alben, die im Plattenladen stehen, da muss man die Regale nicht noch mit limitierten Exclusives der immer gleichen Künstler vollstopfen.

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