CDs auf dem Vormarsch! Warum physiche Medien weiterhin beliebt sind

Ich habe schon immer Musik auf physikalichen Medien gekauft. Es fing alles mit Kassetten an. Richtig heißer Scheiß wie Milli Vanilli, David Hasselhoff oder New Kids On The Block. Meine erste selbst gekaufte CD war dann Appetite For Destruction von Guns N’Roses. 1991 müsste das gewesen sein. Mit 12 Jahren. Erst Jahre später folgte die erste LP: II von Led Zeppelin. Second Hand, versteht sich.

Mit vielen CDs verbinde ich bis heute Erinnerungen. Mit der orangenen State Of The World Address von Biohazard war ich damals mit 15 gefühlt der König des Schulhofs. Auf die Sepultura CD Roots hat mich damals die brasilianische Austauschschülerin angesprochen – ungläubig, dass diese Band auch im fernen Deutschland jemand hört. Im ersten eigenen Auto (inkl. eingebautem Subwoofer) habe ich Muff Potter und Terrorgruppes Melodien für Milliarden rauf und runter genudelt. Bis 2010 habe ich fast ausschließlich CDs gekauft. Erst mit dem Umzug nach Berlin 2012 verdiente sich die Plattensammlung so langsam ihren Namen. Heute nimmt sie einen relevanten Teil der Wohnung in Beschlag. Andererseits hätte ich gar keine Möglichkeit mehr, eine CD überhaupt noch abzuspielen. Selbst mein Macbook hat kein entsprechendes Laufwerk mehr. Den Großteil habe ich daher lange verkauft, nur noch eine Handvoll Exemplare steht im Regal.

So wir mir ging es vielen anderen. Die CD verlor mit den Jahren massiv an Bedeutung. Die riesigen Abteilungen in den Media Märkten dieser Welt wurden kleiner und kleiner. Vinyl war auf dem Vormarsch. 2023 wurden erstmals mehr Platten verkauft als CDs. Doch ist diese Entwicklung schon wieder vorbei?

K-Pop sei Dank – CDs erfreuen sich neuer Beliebtheit

Gefühlt zum ersten Mal seit Ewigkeiten gab es in diesem Jahr eine positive Entwicklung bei der Entwicklung der CD-Verkäufe zu vermelden. In den USA wurden im ersten Halbjahr 16 Prozent mehr CDs verkauft als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Ingesamt wurden 16,3 Millionen CDs verkauft. Ein interessanter Fakt: die Hälfte der Käufer*innen hat kein Gerät, um die gekauften CDs überhaupt abspielen zu können.

Es geht hier also rein um den Besitz und die Faszination für physiche Medien. Der Haupttreiber ist dabei die sogenannte Generation Z. Also jene Generation, die mit digitalen Technologien und sozialen Medien groß geworden ist. Und nun anscheinend zunehmend davon gelangweilt ist. Auch wenn Streaming natürlich nach wie vor den dominanten Teil des Musikkonsums ausmacht. Aber gestreamte Songs kann man sich zuhause nicht ins Regal stellen und stolz präsentieren. Bewunderung für eine Spotify-Playlist ist eher selten.

Es bleibt abzuwarten, ob das eine dauerhafte Entwicklung ist oder lediglich ein vorübergehendes Aufbäumen. Tatsächlich geht ein Großteil des Wachstums auf K-Pop (also Korean Pop) zurück, der sich innerhalb der Generation Z großer Beliebtheit erfreut. Rechnet man die Releases aus dem Genre aus der Statistik heraus, steigen die CD-Verkäufe plötzlich nur noch um 6,7 Prozent.

Sammlerstück in verschiedenen Editionen

Hier scheint die CD tatsächlich eher so was wie ein Sammlerstück zu sein. Etwas, das den eigenen Freund*innen stolz präsentiert wird. Marketingtechnisch geschickt umgesetzt, erscheinen K-Pop Alben häufig in zig verschiedenen Varianten, teilweise aufwändig produziert mit Fotobüchern oder sonstigen Gimmicks. Immer häufiger ist dabei zu beobachten, dass sich Fans mehrere Versionen eines Albums zulegen, was sich natürlich positiv auf die Verkaufszahlen auswirkt. Ein Beispiel gefällig? Im März veröffentlichten BTS, eine weltweit beliebte K-Pop-Boygroup, ihr Album ARIRANG. Bei Discogs sind sage und schreibe 25 verschiedene Versionen gelistet – 16 auf Vinyl, 9 auf CD. Damit schaffte es die Band in den USA in der ersten Woche auf mehr als 500.000 verkaufte physische Exemplare.

Eine Entwicklung, die auch auf dem Vinylmarkt zu beobachten ist, und sich jüngst bei der Veröffentlichung des neuen Albums von Phoebe Bridgers erneut gezeigt hat. Von Lost Weekend stand eine fast schon unüberschaubare Zahl an Vinyleditionen in den Regalen, viele davon waren schnell ausverkauft. Alleine in meiner überschaubaren Instagram-Bubble finden sich zahlreiche Personen, die mehr als eine Version des Albums gekauft haben. Das Hören steht dabei weniger im Vordergrund als das Sammeln, weil sonst würde auch ein Exemplar reichen, das aufgelegt werden kann. In den Vinylverkaufscharts für 2026 wird Lost Weekend dadurch aber vermutlich sehr weit oben landen.

Verkaufszahlen für Vinyl weiterhin stabil

Der Vollständigkeit halber: die Verkaufszahlen von Vinyl stiegen im gleichen Zeitraum lediglich um 2,4 Prozent. Mit 21,8 Millionen verkauften Schallplatten liegt die Zahl weiterhin deutlich über jenen der CD. Insgesamt legte der Markt für physische Tonträger in den USA im ersten Halbjahr um 7,8 Prozent zu. Der größte Anteil (mit 44,5 Prozent fast die Hälfte) entfiel dabei auf Rockmusik, es folgen Hip-Hop und R&B.

Realistisch betrachtet sind die Verkaufszahlen beider Medien allerdings kein Vergleich zu früher. Als 1987 erstmals mehr CDs verkauft worden sind als Vinyl, wurden noch mehr als 100 Millionen Schallplatten verkauft. Also immer noch fünfmal so viele wie heutzutage. Im Rekordjahr 1977 waren es sogar fast 350 Millionen Exemplare (Singles nicht mit einberechnet). Das Rekordjahr für CD-Verkäufe war 2000, als fast 950 Millionen CDs über die Ladentresen gingen. Eine heutzutage schier unvorstellbare Zahl. Da kann die Gen Z noch so viele verschiedenen Editionen eines Albums kaufen.

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