Hypes werde ich vermutlich nie so wirklich verstehen. Warum sich plötzlich gefühlt jeder Musikfan auf diese eine Band einigen kann, erschließt sich mir oft nicht. Oft hat das gar nicht mal was mit der Qualität der Band zu tun, sondern damit, dass es andere Bands gibt, die genauso (gut) klingen. Das letzte Beispiel für einen solch unverständlichen Hype: Geese.
Letztes Jahr tauchte die Band plötzlich in jeder Jahresbestenliste von Musikmagazinen auf, gefühlt jeder Vinyl-Account hat die Platte bei Instagram gepostet und irgendwo wurde sie sogar zur besten Rockband des Planeten verklärt. Alles vollkommen übertrieben, wie ich finde. Geese sind eine gute Band, eine sehr gute sogar, das Debüt steht auch in meiner Sammlung. Aber mehr auch nicht.
Der Hype hat dazu geführt, dass Geese in diesem Jahr plötzlich ausverkaufte Shows in Deutschland gespielt haben. Einige Konzerte sind vorher sogar hochverlegt worden, um die gehypten Massen unterzubringen. Und hier schlagen wir dann auch den Bogen zu der Band, die die aktuelle Vinyl des Monats vorlegt. Westside Cowboy haben die Konzerte für Geese als Vorband eröffnet. Und dabei für eine Menge Begeisterung gesorgt. Selten habe ich bei Instagram so viele Beiträge und Storys über ein Konzert gesehen, bei der die Vorband begeistert erwähnt wurde.
The hype is real – Britainicana als eigenes Genre
Nun also nach diversen EPs das eigene Debütalbum. Bereits nach dem Hören der ersten Vorab-Singles wusste ich, dass hier Großes ansteht. Und das Album sollte mich nicht enttäuschen, im Gegenteil, es gehört zu meinen bisherigen Favoriten des Jahres. Was mich am meisten fasziniert ist die Tatsache, dass es sich um ein Debüt handelt. Dabei spielen sich die Bandmitglieder, die alle Mitte 20 sind, derart routiniert durch die verschiedenen Spielarten des Indierock, das man glaube könnte, sie hätten bereits eine umfassende Diskografie in den Knochen.
Für ihren Sound hat die Band sogar ein eigenes Genre erfunden, das auf den Namen ‚Britainicana‘ hört, eine Mischung also aus Americana und dem zuletzt typisch britischen Soundmix aus Postpunk, Indiefolk und Mathrock, den unter anderem Black Country, New Road geprägt haben. Nicht verwunderlich also, dass Westside Cowboy auch für diese Band bereits als Opening Act aufgetreten sind.
Wenn ich einen Tipp geben darf: gebt dem Album ein paar Durchgänge auf dem Plattenteller und erlaubt ihm all seine Feinheiten zur Geltung zu bringen. Dann werdet ihr mit einem – wie ich finde – der besten Alben des Jahres belohnt. Eine Platte, die das Beste aus Americana, Indie und Postpunk in Songs bündelt, die sich gnadenlos in deinen Gehörgängen festsetzen.
Exclusives bereits ausverkauft, im Plattenladen geht noch was
Wenn eine Band derart gehypt wird wie Westside Cowboy, sollte man ein Album vorbestellen, wenn man eine der limititerten Exclusive Editionen haben möchte. In diesem Fall gab es von ‚It Goes On‘ eine exklusive Pressung bei Rough Trade (White and Black Marbled Vinyl) und Blood Records (Brown, Yellow, White And Olive Green Splatter Vinyl), die beide bereits ausverkauft sind und bei Discogs teilweise für dreistellige Beträge gehandelt werden. Auch die eigene Variante im Band Store auf gelbem Vinyl ist mittlerweile restlos vergriffen.
Aber keine Sorge, im Plattenladen eures Vertrauens sollte ihr noch fündig werden. Neben schwarzem Vinyl gibt es hier eine limitierte Indie Exclusive auf rotem Vinyl.

