Vinyl des Monats Mai: The Breeders – LSXX (20th Anniversary Edition)

The Breeders - LSXX (20th Anniversary Edition)
Spitting in a wishing well, Blown to hell crash, I’m the last splash.“ Na, kennt die Breeders hier noch jemand? Jedes Mal, wenn in den ersten Momenten von „Cannonball“ der prägnante Basslauf einsetzt, bedeutet das für mich eine Reise in gute alte Zeiten. 1993, um genau zu sein. Es waren Zeiten, in denen sich gute Rockmusik noch verkaufte und die Spitze der Charts dominierte, Zeiten, in denen man tatsächlich noch Musikvideos im Fernsehen zu sehen bekam. „Last Splash“ war das dritte Album der Band um die beiden Deal-Schwestern (Kim Deal war damals bekanntlich die Bassistin der Pixies), das sie schlagartig berühmt machen sollte. Immer auch im Schlagschatten von Nirvana, die The Breeders auf ihrer In Utero-Tour als Vorband begleiten durften. Aber auch das minimalistische Video zu Cannonball lief im Musikfernsehen (ja, so nannte sich das damals) rauf und runter. Leider schienen die Mitglieder von The Breeders – wie so viele andere auch – nicht wirklich mit dem Erfolg umgehen zu können oder zu wollen. Der Auftritt auf dem legendären Lollapalooza 1994 war das letzte Mal, dass die Band gemeinsam live auf der Bühne stand.
Zum 20 jährigen Jubiläum von „Last Splash“, erscheint nun ein ganz besonderes Box Set, das aus insgesamt sieben Vinyl (!) besteht. Darauf befinden sich eine Menge bislang unveröffentlichter Songs.

Das Boxset im Überblick:

  • Das Album „Last Splash“ auf 12“-Vinyl;
  • Stockholm Syndrome“ auf 12“-Vinyl. Ein Live-Konzert-Album, 1994 in Schweden auf der letzten Europatour der Band aufgenommen – inkl. neun bislang unveröffentlichter Songs vom Konzert;
  • BBC Radio Session vom 24. Juli 1993 auf 12“-Vinyl. Zusätzlich befinden sich auf der Vinyl die letzten Original-Demoaufnahmen zu „Last Splash“ aus dem November 1992;
  • vier 10“-EPs: „Safari“, „Cannonball“, „Divine Hammer“ und „Head to Toe;
  • ein 24-seitiges Booklet mit zuvor unveröffentlichen Fotografien, die die Band während der Aufnahmen zu „Last Splash“ zeigen, persönliche Fotos während der 2-jährigen Tour sowie geschriebene Erinnerungen von Bandmitgliedern und anderen Begleitern wie Kim Gordon oder J Mascis.

Cover und Artwork des Boxsets sind vom renommierten britischen Grafikdesigner Vaughan Oliver gestaltet worden, der bereits 1993 für das Artwork des Originals verantwortlich war.
Es gibt die Jubiläumsedition übrigens auch als 3-CD-Edition. Diese ist in Deutschland bereits im gut sortierten Musikgeschäft erhältlich. Das Vinyl Boxset kann bislang nur direkt im Online Store von 4AD bestellt werden. Ob einzelne Exemplare den Weg nach Deutschland finden, ist bislang unklar. Ähnlich sieht es mit der Band selbst aus. Für die anstehende Welttour sind bereits zahlreiche Termine – auch in Europa – bestätigt, u.a. spielte die Band zuletzt auf dem Primavera Sound in Barcelona. Bislang befindet sich aber noch kein Konzert in Deutschland darunter. Bleibt zu hoffen, dass sich das noch ändert! Es wird nämlich das erste Mal seit Lollapalooza 1994 der Fall sein, dass Kim und Kelley Deal, Josephine Wiggs und Jim Macpherson gemeinsam auf der Bühne stehen werden!

Kritiken/Stimmen

Was soll ich zu „Last Splash“ noch großartig schreiben? Das Album ist ein Klassiker. Die Band eine Legende. Kurt Cobain bezeichnete das Debütalbum „Pod“ als wichtigen Einfluss für Nirvana. Wie schreibt das Paste Magazine so schön: „And do we really need to talk about what a marvelous album Last Splash is? How it perfectly encapsulates all that was great and wonderful about the early ‘90s alt-rock boom? How it managed to be fun and loose and polished and whimsical and smart and tough and perfect all at the same time? We don’t need to do that, do we?“ In eine ähnliche Kerbe schlägt Pitchfork, das das Album mit einer Wertung von 9.0 zur „Best New Music“ erhebt. Beide Publikationen zeigen sich begeistert von der Jubiläumsedition auf Vinyl. Zwar stellt Pitchfork die Frage „Why should I spring for a special edition of an album I can probably still find in the dollar bin?„, um dann aber schnell zum überzeugten Fazit zu kommen: „For any Breeders fan, though, the extras make a convincing case.“ Auch das Paste Magazine zeigt sich bloß nur von der Tatsache begeistert, dass das Album eben kein Remix oder Remaster darstellt, sondern genauso klingt wie beim ersten Auflegen vor 20 Jahren. Die zahlreichen Extras und unveröffentlichen Songs „are well worth the extravagant packaging and price tag„. Dieser ist mit 90 US-Dollar ja auch nicht unbedingt als Schnäppchen zu bezeichnen. Als Fan der ersten Stunde, sollte man sich diesen Schatz jedoch auf keinen Fall entgehen lassen (kurzer Tipp: wer Versandkosten sparen möchte, kann sich das Ding auch bei Piccadilly Records in England bestellen).

Tracklist

Erscheinungsdatum: 14. Mai 2013

Label: 4AD

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