Reissues von The Mars Volta: Cedric Bixler Zavala wettert gegen Music On Vinyl

In der vergangenen Woche hat das Label Music On Vinyl das Debütalbum „De-loused In the Comatorium“ von The Mars Volta neu auf Vinyl herausgebracht. Fans weltweit freuten sich über das Reissue, schon vor dem eigentlich Releasedatum war die Variante auf goldenem Vinyl, von der 3500 gepresst worden sind, ausverkauft. Nur einer scheint sich wahnsinnig über die Veröffentlichung zu ärgern und wettert öffentlich gegen das Label: Cedric Bixler Zavala, seines Zeichens Frontmann und Sänger der Band.

Seinen Anfang nahm das Ganze in der vergangenen Woche auf Twitter. Dort bezeichnete Bixler Zavala die goldene Variante der Vinyl als Bootleg. Eine Aussage, die durchaus verwundert, denn kurz zur Erläuterung: Music On Vinyl ist ein Label, das selber keine Künstler und Bands unter Vertrag nimmt, um deren Alben zu veröffentlichen, sondern sich rein auf die Neuveröffentlichung von Alben konzentriert. Dieses aber immer auf legalem Wege und in vorheriger Abstimmung mit dem Rechteinhaber. Die Reaktion von Music On Vinyl – ebenfalls auf Twitter ohne jedoch direkt an Cedrix Bixler Zavala gerichtet zu sein – war daher eindeutig:

Das Problem hierbei ist, dass die Besitzer des Urheberrechts nicht unbedingt der Künstler oder die Band sein müssen. Leider weiß ich nicht, wie es sich in diesem speziellen Falle darlegt, aber offensichtlich hat Music On Vinyl nicht mit Bixler Zavala und seinem Bandkollegen Omar Rodriguez-Lopez zusammen gearbeitet. Das mag vom moralischen Standpunkt her zweifelhaft sein, rechtlich gesehen ist es das nicht – zumindest sofern die Einwilligung des Rechteinhabers vorliegt, hier offensichtlich des Labels. Die Bezeichung als Bootleg ist demnach ziemlicher Unsinn. Mal ganz abgesehen davon, dass jede Veröffentlichung von Music On Vinyl, die mir bislang untergekommen ist, durch einen hohen Qualitätsstandard überzeugt. Mit dem minderen Sound von Bootlegs hat das nichts gemein. Warum also der Wutausbruch von Bixler Zavala auf Twitter?

Money, money, money?

Der Grund dafür dürfte durch einen weiteren Tweet von Cedrix Bixler Zavala am selben Tag zu ergründen sein:

Der Verdacht liegt nahe, dass da jemand bemerkt hat, dass mit solch einem Reissue eine Menge Geld zu verdienen ist. Die Äußerungen auf Twitter wirken wie der Versuch, die Releases von Music On Vinyl schlecht zu machen, was bei einigen Fans zu funktionieren scheint. Fakt ist, dass sich viele Fans in Foren enttäuscht vom Verhalten von Music On Vinyl oder Shop Radio Cast zeigen, wo mittlerweile eine silberne Vinyl-Variante von „De-Loused In The Comatorium“ verfügbar ist. Es wird kritisiert, dass die Band offensichtlich nicht in die Planungen einbezogen und an den Einnahmen beteiligt ist. Und das obwohl die Musik schließlich einzig und allein ihr Werk ist.
Eine durchaus verständliche Reaktion! Dass Moral im Musikgeschäft nicht allzu viel zu bedeuten hat, dürfte allerdings jedem bewusst sein. Interessanter scheint die Frage, warum die Band in den vergangenen Jahren nicht auf die Idee gekommen ist, ihre Alben selbst zu veröffentlichen, während diese bei eBay für Unsumme gehandelt wurden. Die bis zum Music On Vinyl-Release einzige Edition von „De-Loused In The Comatorium“ ist 2003 von Gold Standard Laboratories veröffentlicht worden, während die CD-Versionen auf Universal Records erschienen sind. Mitbesitzer von Gold Standard Laboratories war seit 2001 The Mars Volta-Gitarrist Omar-Rodriguez Lopez. 2007 wurde das Label aufgelöst. Die Frage ist also, wer über die Vinylrechte an den The Mars Volta-Alben verfügt: Universal, Rodriguez-Lopez als Mitbesitzer von GSL oder gar die Band The Mars Volta, wie Bixler Zavala behauptet?
Man darf gespannt sein, was von der Ankündigung weiterer Reissues von Seiten der Band zu halten ist. Bixler Zavala verspricht jedenfalls, dass die Reissues der Band von weitaus höherer Qualität sein werden. Und dass er und Rodriguez-Lopez das Geld kassieren!

Reissue von „Amputechture“ auf Music On Vinyl

Die letzten beiden Alben der mittlerweile aufgelösten Band („Octahedron“ und „Noctourniquet“) sind auf dem bandeigenen Label Rodriguez Lopez Productions in speziellen Editionen auf Vinyl veröffentlicht worden. Die Noctourniquet-LP u.a. mit 3D-Artwork samt der dazu passenden Brillen. Logisch, dass diese längst vergriffen sind. Da dürfte es Bixler Zavala so gar nicht passen, dass Music On Vinyl das dritte Album „Amputechture“ Anfang Juni ebenfalls neu veröffentlichen wird. Die ersten 3000 Stück sind handnummeriert und erscheinen auf gold-rotem Vinyl inklusive Poster.

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Carsten Thoben

Gründer und Betreiber des Vinyl Fantasy Mag | leidenschaftlicher Plattensammler | leidgeplagter HSV-Fan | Online & Social Media Junkie

3 Kommentare zu “Reissues von The Mars Volta: Cedric Bixler Zavala wettert gegen Music On Vinyl

  1. „Das Problem hierbei ist, dass die Besitzer des Urheberrechts nicht unbedingt der Künstler oder die Band sein müssen.“

    Das stimmt so nicht ganz. Zumindest nach deutschem Recht hat der Künstler IMMER das Urheberrecht, schließlich ist er/sie Urheber des Werkes und das lässt sich eben nicht ändern. Allerdings hat der Urheber nicht zwangsläufig auch das Vervielfältigungsrecht, um welches es hier wohl geht.

    Im Amerika ist das möglicherweise anders geregelt. Wie es dann aussieht, wenn noch ein holländisches Label ins Spiel kommt, weiß ich aber erst recht nicht…

    1. Danke für die Anmerkung, da hast du sicherlich Recht. Das Urheberrecht ist in den USA durchaus etwas anders gestaltet als hier in Dtld. Ich zitiere hier einfach mal ganz dreist aus Wikipedia: „Im Copyright des amerikanischen Rechtssystems werden im Gegensatz zum kontinentaleuropäischen Urheberrecht die Entscheidungs- und Verwertungsrechte über ein Werk oft nicht dem Urheber (beispielsweise dem Künstler) zugestanden, sondern den wirtschaftlichen Rechteverwertern, zum Beispiel dem Verlag. Der Urheber behält dann eingeschränkte Veto-Rechte, die den Missbrauch des Copyrights seitens der Rechteverwerter verhindern sollen.“ Trotzdem bleibt die ganze Geschichte irgendwie ominös…
      P.S. Auf Zeit online gibts ne ganz interessante Artikelreihe zum Thema „Künstler und Urheberrecht“: http://www.zeit.de/serie/kuenstler-und-urheberrecht

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