Vinyl Stuff

Erste Vinyl Bibliothek der Welt in London eröffnet

Plattenregal aus der Bibliothek
Bibliotheken. Das sind doch diese grässlichen 70er-Jahre Bauten, in denen man verstaubte Bücher finden kann und Studenten verzweifelt in den Gängen umherirren. So ungefähr sieht wohl die Vorstellung in den Köpfen vieler aus. Coolnessfaktor gleich null. Vielleicht ändert sich dieses Bild ab sofort, denn in London hat gestern die erste Vinyl Bibliothek der Welt eröffnet.

Die Vinyl Bibliothek basiert dabei auf dem non-profit-Prinzip, das heißt sämtliche Platten stammen aus Spenden ihrer vorherigen Besitzer. Wenn du selbst ein paar Vinyl aus deiner Sammlung spendest – ich weiß, dass das jedem wahren Vinylliebhaber wirklich schwer fällt -, ist die Ausleihe von maximal fünf Schallplatten kostenlos. Falls du keine Schallplatte dein Eigen nennst oder keinen deiner Schätze abgeben möchtest, kannst du gegen einen kleinen monatlichen Mitgliedsbeitrag die Bibliothek voll nutzen. Die Mitgliedschaft kostet eine einmalige Summe von einem Pfund.

Anlaufstelle für Vinylliebhaber

Die beiden Gründerinnen Elly Rendall and Sophie Austin sind zwei Mitzwanziger, die nebenbei als DJanes tätig waren und eine Leidenschaft für Vinyl teilen. Ihre Mission beschreiben sie so: „To create a welcoming vinyl co-operative for the whole community and open up the world of vinyl for those not able to fund a varied selection themselves.“ Der Gemeinschaftsgedanke soll dabei im Vordergrund stehen. Die Mitglieder sollen ihr Wissen untereinander teilen, auch mit „Vinylneulingen“ und Jugendlichen, die sonst vielleicht nie eine Vinyl in die Hand genommen hätten. „We like the idea of getting people tactile with a piece of vinyl and getting everyone connected to that again„, wird Austin in einem Artikel für The Guardian zitiert.

Wie viele Schallplatten bislang genau in der Sammlung der Bibliothek stehen, ist nicht bekannt. Die größte Spende umfasste jedenfalls mehr als 300 Schallplatten, oft sind es mehr als 50, die gespendet werden. Die Musikrichtungen sollen eine große Bandbreite umfassen – „ranging from 1970s Afro-rock and vintage disco to UK garage and contemporary techno.“ Hier sollte für jeden Vinylliebhaber etwas dabei sein. Zu finden ist die Vinylbibliothek übrigens unter der Adresse „Unit 1, Foulden Road, Stoke Newington, N16 7UU.“ Nur für den Fall, dass ihr dort einmal vorbeischauen möchtet. Sollte ich demnächst noch einmal nach London kommen, werde ich einen Besuch in der Bibliothek definitiv in mein Programm einbauen.

Vertrauen auf den Respekt vorm Vinyl

Die einzige Frage, die ich mir bei diesem zweifellos großartigen Projekt stelle, ist die, wie das Ganze konkret funktionieren soll. Jeder Vinylliebhaber weiß, dass Schallplatten gepflegt werden müssen und schnell verkratzen, verstauben oder sonstwie beschädigt werden. Nicht ohne Grund erhebt ein Nutzer auf Fact Magazine den Einwand: „The collection will be ruined in three months. I hope they don’t have any rare stuff.“ Ich glaube nicht, dass ein Plattenliebhaber bewusst eine Rarität als Spende zur Verfügung stellt. Wenn man sich aber anschaut, was auf hiesigen Flohmärkten manchmal für kleine Schätze zu erstehen sind, deren Wert dem Besitzer/Verkäufer nicht bewusst ist, ist davon auszugehen, dass sich in der Sammlung trotzdem die ein oder andere Rarität finden lässt. Die beiden Gründerinnen vertrauen dabei in erster Linie auf den Respekt und die Loyalität der Mitglieder. Als kleiner Anreiz soll die Tatsache dienen, dass Mitglieder, die ausgeliehene Platten pünktlich und im vorherigen Zustand zurückbringen, weniger zahlen müssen – „loyalty points“ nennen das die Gründerinnen. Bleibt zu hoffen, dass dieses Vertrauen zurück gezahlt wird. Rendall und Austin haben jedenfalls noch viel vor. Sie wollen in der Bibliothek selber als DJanes auflegen oder gar Lehrstunden geben und an ausgewählten Abenden Musikdokumentationen vorführen. Es soll ein Ort für Vinyl- und Musikliebhaber entstehen.

Wenn Ihr mehr über die einzigartige Vinyl Bibliothek erfahren möchtet, werdet Fan der Facebook-Seite. Eine eigene Webseite scheint (bislang) nicht zu existieren.

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