Derzeit sind Holland-Wochen im Plattenregal. Vor gut einem Monat kamen Personal Trainer auf 4AD mit einem großartigen Indierockalbum um die Ecke, das viel zu wenig Aufmerksamkeit bekommen hat. Wenn ihr was für in jüngster Vergangenheit gefeierte Bands wie Black Country, New Road oder Squid übrig habt, hört hier unbedingt rein.
Doch damit nicht genug. In diesem Monat veröffentlichten John Coffey aus Utrecht ein famoses Album zwischen Stadionrock und Post-Hardcore, mit dem sie spätestens im kommenden Jahr auf den Festivalbühnen der Welt abgefeiert werden. In der letzten Ausgabe der Visions wurde ‚ Not Alone‘ zum Album des Monats gekürt. Das Album „erhebt als ermutigender Soundtrack des Zusammenhalts voller Hymnen in halsbrecherischem Hardcore die Niederländer nun vollends zur besten kleinsten Stadionband, die nicht im Stadion spielt“, heißt es dort.
Die dritte Band im Bunde sind Tramhaus aus Rotterdam. Nach ihrem gefeierten Debütalbum ‚The Last Exit‘ legt die Band nur zwei Jahre später den Nachfolger vor. Manchmal frage ich mich ja, wann Bands sich vor lauter Touren überhaupt die Zeit zum Songs schreiben nehmen. Tramhaus spielten nach dem Release des Debüts im Zeitraum von einem Jahr mehr als 120 Konzerte in über 20 Ländern. Darunter neben Europa auch in Japan und den USA.
Songs für den verschwitzten Club und den Plattenteller
Das mitunter an die Nerven gehende Tourleben wird auch in den 11 Songs auf ‚Blister‘ eingehend verarbeitet. Nicht ohne Zufall ist der Opener ‚Plovdiv‘ nach der Stadt in Bulgarien benannt, wo die Band im Beebop Cafe ein Konzert spielte.
‚Blister‘ ist ein Album, das die Grenzen des Post-Punk bis kurz vorm Zusammenbrechen auslotet. Stets sperrig treffen hier shoegazige Gitarrenwände auf Noiserock – teils gepaart mit der rohen Energie von Post-Hardcore. Immer wieder wird das Tempo dabei verschleppt und ohne die Band jemals live gesehen zu haben (was ich dringend irgendwann nachholen muss), kann ich mir vorstellen, dass die Songs live eine Sogwirkung entfalten, der man sich nicht entziehen kann. Glücklicherweise funktioniert das Album auf dem heimischen Plattenteller genauso gut wie im verschwitzen Club.
Während in Rezensionen anderer Medien immer wieder Bands wie Gurriers, Shame oder auch Fontaines D.C. als Referenz herangezogen werden, fehlt in dieser Auflistung eine Band, an die mich Tramhaus in vielen Momenten erinnern. Vielleicht weil es eine meiner Lieblinge ist, von denen (fast) alle Alben in meiner Sammlung stehen. Die Rede ist von der dänischen Band Iceage. Die haben in diesem Jahr mit ‚For Love of Grace & The Hereafter‘ übrigens ein nicht minder tolles Album rausgebracht. Ich durfte die Band 2014 im Rahmen des Le Guess Who in Utrecht (wo wir wieder in Holland wären) erleben, wo sie ein unglaublich intensives und energiegeladenes Set spielten, das mir bis heute in Erinnerung geblieben ist. So ungefähr stelle ich mir Tramhaus live auch vor.
Schwarz, farbig oder mit Obi-Strip?
Im Gegensatz zur Vinyl des Monats September gibt es bei ‚Blister‘ für Fans keine großen Auswahlmöglichkeiten oder Unmengen an Exclusives. Wie so oft gibt es hier im Plattenladen die Auswahl zwischen schwarzem und farbigem Vinyl. In diesem Fall Fresh Green Vinyl. Eine besondere Edition gibt es dann aber doch: beim japanischen Label Flake Records gibt es das Album auf Hazy Red Vinyl, inklusive dem für japanische Editionen so typischen Obi-Strip.

