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Vinylify presst „deine Lieblingssongs auf Vinyl“!? Nicht so ganz…

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Letzte Woche habe ich an dieser Stelle noch ein Mixtape mit Songs veröffentlicht, die ich damals mit 16 gehört habe. Wie geil wäre es eigentlich, wenn ich mir das Ganze auf Platte pressen lassen und mir zu Hause auf dem Plattenspieler anhören könnte? Passend zu diesem Thema machen online im Moment Artikel über ein Start-Up die Runde, das es ermöglichen möchte, deine Lieblingssongs auf Vinyl pressen zu lassen und das Ganze auch noch mit einem individuellen Cover zu versehen. Gute Idee mit dem ein oder anderen Haken…

In besagten Artikeln über Vinylify aus Amsterdam ist in Überschriften von „Mixtapes auf Vinyl“ oder „All deine Lieblingslider auf einer Vinyl“ die Rede oder davon, dass man seine „digitalen Lieblingssongs in Vinyl Schallplatten umwandeln“ kann. Ein Mixtape auf Vinyl also? Was auf den ersten Blick richtig super klingt, hat bei näherem Hinsehen dann doch ein paar Haken.
Als ich zum ersten Mal von Vinylify gehört bzw. gelesen habe, schoss mir sofort die Frage in den Kopf, wie das Ganze rechtlich aussieht. Es kann doch nicht sein, dass dort einfach jeder Songs von x-beliebigen Künstlern und Labels hochladen und sich auf Platte pressen lassen kann, dachte ich mir. Dieser Einwand bestätigte sich bei einem Blick in die Nutzungsbedingungen des Start-Ups. Dort steht: „We can only cut music to vinyl if you have permission from the original owner/rights holder of the music (master rights).“ Und mal ganz ehrlich: Wer hat die schon?
Interessanterweise steht dort aber weiter geschrieben, dass Vinylify die hochgeladenen Inhalte nicht kontrolliert und der Käufer alleine dafür verantwortlich und haftbar ist. Ich bin weiß Gott kein Anwalt, werde aber das Gefühl nicht los, dass es sich das Start-Up hier etwas zu leicht macht. Im Endeffekt bedeuten die erwähnten Punkte doch so viel wie: „Ihr könnt gerne Stairway To Heaven hochladen, aber wenn euch das Label verklagt, ist das nicht unser Problem!“ Das hat was von den „Eltern haften für Ihre Kinder“-Schilder auf Baustellen. Irgendwie muss man aber anscheinend dem eigenen Slogan „Your favourite digital tracks on oldschool vinyl again!“ gerecht werden.

Die Zielgruppe von Vinylify scheint also eher aus DJs oder Singer-Songwritern zu bestehen, die ihre eigenen Songs und Mixes auf Platte besitzen möchten. Denn über ein Alleinstellungsmerkmal verfügt der Service durchaus: Es ist möglich, lediglich ein einzelnes Exemplar einer Schallplatte pressen zu lassen! Ein solches Angebot findet sich ansonsten vermutlich in keinem Presswerk der Welt. Der Preis hat es dafür jedoch in sich: 50 Euro kostet das Vergnügen einer eigenen Platte – allerdings inklusive Druck von Labels und Albumcover, das ihr vorher ebenfalls auf der Seite hochladen könnt. Der Prozess dauert ca. 3 bis 4 Wochen, da die Platte direkt vor Ort in Amsterdam von Hand gepresst und geschnitten wird.

Ein Mixtape passt nicht auf eine 10 Inch!

Warum eine von Vinylify gepresste Schallplatte als Mixtape nichts taugt, hat neben den rechtlichen Aspekten übrigens noch einen zweiten Grund: Die LP kommt als 10“ daher und es ist lediglich möglich pro Seite 10 Minuten Musik hochzuladen und anschließend pressen zu lassen. Bei meinem erwähnten Mixtape wäre die Platte also nach 6 von insgesamt 21 Songs bereits zu Ende. Wer möchte, hat auf der Webseite von Vinylify auch die Möglichkeit sich aus einer Auswahl von knapp 400 Songs zu bedienen und daraus eine LP zusammenzustellen. Ich muss jedoch gestehen, dass mir keine der dort vertretenen Bands oder Musiker etwas sagt.
Eine weitere Frage betrifft natürlich die Qualität der Vinyl. Jeder, der daheim ein paar Schallplatten im Regel stehen hat, weiß, dass die Klangqualität durchaus in hohem Maße variieren kann. Alben, die nicht eigens für Vinyl gemastered worden sind, klingen in der Regel einfach nicht gut. Auf der Webseite von Vinylify steht daher geschrieben, dass sich gemasterte Musik am Besten fürs Hochladen eignet – entweder als mp3 (im Idealfalls mit 320kbps) oder eben als flac oder wav-Datei. Wenn ich im Schlafzimmer Songs mit der eigenen Gitarre aufnehme, sollte ich also über dementsprechendes Soundequipment verfügen, bevor ich das Ganze auf eine Schallplatte pressen lasse.
Ich bin jedenfalls gespannt auf die ersten Testberichte im Internet, denn bislang befindet sich Vinylify noch in der Betaphase, so dass sich über die Qualität der Platten, ob nun bezogen auf den Sound oder die Druckqualität von Cover und Labels, noch nichts sagen lässt.

Carsten Thoben (303 Beiträge)

Gründer und Betreiber des Vinyl Fantasy Mag | leidenschaftlicher Plattensammler | leidgeplagter HSV-Fan | Online & Social Media Junkie


4 Kommentare

  1. Dubplates bekommt man am Ende bei anderen Dienstleistern auch preiswerter, und oft sogar mit Mengenrabatt, falls es doch doch 5 oder 10 sein sollen, aber sich eine richtige Produktion nicht lohnen würde. Bei diesem Service sieht es nur etwas schicker aus. Und auch wenn das Material wohl besser geworden ist, am Ende ist es Kunststoff, in dem die Musik reingeschnitten wurde und kein gepresstes Vinyl. Hält somit auch nicht ganz so lange. Interessant ist die Druckoption, denn ist eher das Problem bei Miniauflagen. Evtl. werde ich das aus Interesse mal austesten.

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  2. Schliesse mich dem Kommentar von Recordshelf an, Vinyl-Einzelanfertigungen gibt es günstiger schon seit vielen Jahren bei anderen Anbietern. Korrekt ist auch Carsten Thobens Bemerkung, dass es schwierig sein wird, dass sich ein Privatanwender die Rechte beim Lizenzgeber holen kann für die Herstellung einer einzigen persönlichen Vinyl Platte. Was aber ein Diskussionspunkt ist, es handelt es sich hier ja um eine einzige Einheit für den persönlichen Gebrauch. Da würde ich jetzt die Urheberrechtsregelung anwenden die besagt, dass wenn der Besitzer den Tonträger käuflich erworben hat, er innerhalb der Familie eine gewisse Anzahl Kopien für den Eigenbedarf herstellen und innerhalb des Familienkreises Kopien weitergeben darf (ich glaube maximal 7 Stück, ich hab‘ das jetzt nicht nachgecheckt). Dann müsste eine Einzelpressung eigentlich auch darunter fallen. Würde ich als Vinyl DJ (einer der wenigen in der Schweiz…) z.B. mir einen gekauften MP3 Titel den es nun wirklich nicht als 12″ oder 7″ gibt von denen ritzen lassen, mache ich mir eigentlich nur eine Kopie davon für den Gebrauch, da ich ihn sonst nicht abspielen kann. Die Diskussion ist eröffnet :-)

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  3. Schau mal auf drdub.com, die machendes selbe jedoch auf 12“ wenn gewünscht.
    Das Problem sehe ich auch eher in der Herstellung da Musik ins vinyl geschnitten und nicht gepresst wird.
    Ich habe bis dato noch keine geschnittene gehört, bezweifle die Qualität doch sehr.
    Vielleicht könnte ja Recordshelf nach dem test ein kleines Feedback zu Qualität und Optik liefern.

    MfG Jaya

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  4. Die Platten werden nicht gepresst, sondern geschnitten. Wobei das dann heutzutage wohl keine Dubplates sind, sondern in Vinylrohlinge geschnittene Scheiben. Die Qualität ist mit einer Pressung zu vergleichen (da wird das Master ja auch ähnlich erstellt) und deutlich besser als Dubplates.

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